Paradoxon: Autofahrer schuld an Jugendalkoholismus

Veröffentlicht auf von federweisser

Diesen Artikel hatte ich fertig verfasst. Leider hält die Vorschau-Funktion auf diesem behämmerten Blog-System nicht das was sie sollte, weshalb ich nun versuche die Gedanken ein zweites Mal zu Bildschírm zu bringen, was trotz meiner erzürnten Stimmung gelingen möge.
Nun gut, insofern bin ich auch aufgebrachter über die Ungerechtigkeiten, die uns Autofahrern tagtäglich wegen bekloppter Bürokraten angetan werden und verleihe den Promille-Oskar mit umso intensiverer Genugtuung.
Ich überreiche ihn, weil die Bürokraten in Sachen Alkohol für ein einmaliges Paradoxon in der Schweiz verantwortlich sind. Nämlich das Paradoxon, Tankstellen in "Tankstellen" umzuwandeln. Und damit einen Schluss zulassen, der einmalig ist: Die Autofahrer sind schuld am Jugendalkoholismus.

Die Schweiz hat vor knapp drei Jahren die Promillegrenze im Strassenverkehr auf 0,5 gesenkt. Damit soll dem Autofahren in alkoholisiertem Zustand mit aller Schärfe der Kampf angesagt werden. Die Schweizer Brauereien haben darauf reagiert. Sie haben Biere mit geringerem Alkoholwert auf den Markt gebracht.
Anfangs entwickelten sich diese Produkte zu einem Renner. Was stellt nach einigen Jahren nun aber die Schaffhauser Brauerei Falken fest? Der Absatz des alkoholreduzierten Bieres "2,8" ist rückläufig.

Was schliesst die Brauerei daraus?

Entweder, die Automobilisten steigen auf das alkoholfreie Bier um oder sie bleiben bei ihrem geliebten normalen Bier.

Das ist die eine Seite, die die Brauerei aufzeigt. Die andere befasst sich mit den Absatzkanälen des Bieres. Die Brauerei erklärt, dass Tankstellen-Shops immer wichtiger werden für den Verkauf des Bieres. Diese Tankstellen-Shops entwickeln sich zu Verkaufsstellen mit 24stündigen Oeffnungszeiten.

Soweit die Feststellungen der Brauerei. Nun die Feststellung des Bürgers: In diesen Tankstellen-Shops versorgen sich vor allem Jugendliche mit Bier und härteren Alkoholika. Anschliessend konsumieren sie ihn auf öffentlichen Plätzen, wo sie sich praktisch ungehindert von den Sicherheitskräften volllaufen lassen. Im Laufe des Abends oder Nacht krakeelen und vandalieren solche Jugendliche in den Innenstädten. (Anmerkung des Nostalgikers: Waren das noch Zeiten, als der Alkohol in Gaststätten unter Aufsicht von Erwachsenen zu sich genommen werden musste.)

Für Krakeelen und Vandalieren gelten keine Promillegrenzen. Im Gegenteil, sie können sogar strafmildernd in die Beurteilung eingeführt werden.

Und damit haben wir das Paradoxon "Tankstellen entwickeln sich zu "Tankstellen".

Die Verkaufsstellen, die ursprünglich für die Automobilisten aufgebaut wurden, entwickeln sich zu Verkaufsstellen für Alkoholika, von denen aber gerade die ursprünglichen Kunden wiederum möglichst nichts konsumieren dürfen.

Damit ich nicht falsch verstanden werde: Ich rede hier nicht dem Alkoholismus am Steuer das Wort.

Aber es kann paradoxer die Situation nicht sein: Der Alkoholkonsum bei Automobilisten wird mit aller Konsequenz verfolgt und bestraft. Man darf nicht vergessen, dass FIAZ-Bussen (Fahren im alkoholisierten Zustand) nach dem Einkommen des Fahrers angesetzt werden und auch im Kanton Schaffhausen den Betrag von Fr. 20´000.—erheblich überschritten haben.

Gleichzeitig ist der Schritt für die Jugendlichen erheblich erleichtert worden, sich mit Alkohol zu versorgen.

Damit schlägt der Staat und damit dessen Bürokraten, die ja bezahlt werden müssen, zwei Fliegen auf einen Schlag:

Die verfemten Autofahrer können dank der verschärften Promillegrenze schneller und höher gebüsst werden. Man beachte auch, dass Bussen an finanzschwache Jugendliche wegen Pöbelns oder Sachbeschädigung auch viel mühsamer auszustellen sind als Bussen an gutbetuchte Autofahrer mit schlechtem Gewissen.

Der Ausfall an Alkoholsteuern durch Konsumverzicht der Autofahrer wiederum wird ausgeglichen durch höhere Alkoholabverkäufe in den Tankstellen-Shops.

Und damit wird wahr, was niemand glaubt: Die Autofahrer sind schuld am Jugendalkoholismus. Denn nur der Autofahrer wegen gibt es Tankstellen. Und Tankstellen versorgen sie Jugendlichen mit Alkohol. Die politische Aufregung kann sich in Grenzen halten: An beiden verdient der Staat satt mit.

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Veröffentlicht in Vermischtes

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